Das Jahr 2020 schreibt Geschichte

Viele kennen bestimmt die spannenden Geschichten von Nasrudin, die tollen Sufi-Geschichten oder die Fabeln von Aesop. Inspiriert von diesen Geschichten dachte ich mir: „Wieso nicht einmal selbst eine Geschichte schreiben?“ Das Jahr 2020 war für viele eine Herausforderung und ich hoffe Sie finden für sich ein gutes Ende!

Es war einmal ein kleines Sandkorn, das ganz oben auf einem mächtigen Gipfel wohnte. Von hier aus sah es die schönsten Sonnenauf- und Untergänge, blickte ins Tal hinunter auf die kleinen Häuser, die tuckernden Autos und die winzigen Menschen, die immerzu etwas zu tun hatten. Ab und zu kamen Menschen bis ganz nach oben auf den Gipfel des Berges, und das kleine Sandkorn konnte lauschen, was die Menschen über ihr Leben im Tal erzählten: darüber, wie mühsam es im Tal und wie schön es doch hier oben auf dem Gipfel sei. Die Menschen bewunderten die traumhafte Aussicht, die saubere Luft, die angenehme Ruhe, die unberührte Natur und auch, dass so wenige Menschen hier oben anzutreffen waren. Nach und nach wurde das kleine Sandkorn sehr stolz darauf, auf dem Gipfel zu wohnen und kam zu der Erkenntnis, dass es nirgendwo auf der ganzen Welt schöner sein konnte als an genau diesem Ort. Und so schlief das kleine Sandkorn an jenem Abend sehr zufrieden und glücklich ein. In der Nacht jedoch braute sich ein heftiges Gewitter zusammen. Mit einem lauten Donnerschlag begann es heftig zu regnen und es stürmte so stark wie noch nie zuvor, so dass auch das kleine Sandkorn davon wach wurde. Ängstlich klammerte es sich an den Felsvorsprung und versuchte sich in einer kleinen Mulde zu verstecken. „Hilfeeee!!!!“, schrie das kleine Sandkorn, „ich will hier nicht weg! Bitte Wind, verschone mich und lass mir mein Leben.“ Doch plötzlich wurde der Wind noch stärker und eine Böe packte das kleine Sandkorn und trug es immer höher und höher in die Luft. „Oh nein, oh nein, mein schöner Gipfel!“, schrie das kleine Sandkorn und war völlig aufgelöst. Tränen stiegen ihm in die Augen und es fing furchtbar zu weinen an. Verzweifelt und hoffnungslos gab es sich dem Wind hin und lies sich schluchzend immer weiter und weiter von dem wunderschönen Gipfel davon tragen. Als die Tränen langsam trockneten und der Sturm etwas nachließ, machte das kleine Sandkorn erstmals seine Augen wieder auf und konnte diesen kaum trauen. Unter sich erblickte es das endlos weite, tiefblaue Meer, welches das kleinen Sandkorn bisher nur aus den Erzählungen der Menschen kannte. Die Meeresoberfläche glitzerte und funkelte, so dass es in den Augen beinahe weh tat. Wie tausend Diamanten, welche unsichtbar miteinander verbunden im gleichen Rhythmus tanzten. Ein breites Lachen machte sich über das Gesicht des kleinen Sandkornes breit. Noch nie im Leben hatte es etwas Schöneres gesehen und es konnte sein Glück kaum fassen. Der Wind wirbelte das kleine Sandkorn noch weiter über das Meer und es tanzte freudestrahlend mit den Diamanten unter sich um die Wette. Eines Tages jedoch trat aus heiterem Himmel ein dunkler Streifen am Horizont auf und rückte auf bedrohliche Weise immer näher und näher. Das kleine Sandkorn machte sich schreckliche Sorgen und konnte in der Nacht kaum noch seine Augen schließen oder zur Ruhe kommen. „Was ist das wohl, das da auf mich zukommt?“, fragte sich das kleine Sandkorn immer wieder und konnte doch keine Antwort darauf finden. Die Gedanken drehten sich nur noch um das grauenvolle Unbekannte, das sich so unaufhörlich näherte und nicht aufzuhalten war. Als von einer Sekunde auf die nächste ein heftiger Sog auftrat, überfiel das kleine Sandkorn die Panik. Es kämpfte und strampelte mit aller Kraft dagegen an, bis es nicht mehr konnte und nach unten gezogen wurde. Die Augen weit aufgerissen und am ganzen Körper zitternd stürzte es hinab in die Tiefe, schnurstracks in das Unbekannte hinein, bis es mit einem lauten Knall auf dem harten Boden aufschlug und bewusstlos liegen blieb. Als das kleine Sandkorn wieder zu sich kam, konnte es sich kaum bewegen. Vor Schmerzen krümmend drehte es sich um und wagte erstmals einen Blick. „Oh Schreck, wo bin ich hier gelandet!“, war der erste Gedanke, den das kleine Sandkorn überfiel und in alle Gliedmaßen schoss wieder ein stechender Schmerz. Wolkenkratzer so hoch wie Gipfel, wo man auch nur hinblickte und Massen an Menschen, welche über und auf das kleine Sandkorn stiegen. „Aaaauaaa, passt doch auf ihr Trampel!“, schrie das kleine Sandkorn und versucht sich noch kleiner zusammenzurollen, um von den vielen Füßen nicht getreten zu werden. Hektisch suchte es nach einer Ritze im Boden, um sich dort verstecken zu können. Doch kein einziger noch so kleiner Spalt war in Sicht und verzweifelt brach das kleine Sandkorn in Tränen aus, weinte bitterlich und fühlte sich so verloren wie noch nie zuvor. „Waaaah, es ist aus und vorbei!“, heulte das kleine Sandkorn, „so schön war doch mein Leben und jetzt ist nichts mehr davon übrig! Was soll ich bloß tun? Es ist hoffnungslos!“ Immer mehr Tränen vergoss das kleine Sandkorn, bis es in einer kleinen Pfütze aus Tränen lag, in welcher sich die gigantischen gläsernen Wolkenkratzer spiegelten und es selbst darin kaum noch zu sehen war. Fast unmerklich aber doch bewegte sich das kleine Sandkorn Stück für Stück in seinem eigenen Rinnsal an Tränen weiter und glitt dabei immer weiter ab, bis es von der einen auf die andere Sekunde mit einem Schwups in einem großen Kanalgitter verschwand und es rundherum plötzlich ganz dunkel wurde. Das kleine Sandkorn wurde gründlich durchgewirbelt und war sofort wieder hell wach. „Hiiiiilllfeee, ich ertrinkeeee!“, schrie das kleine Sandkorn lauthals ohne auch nur irgendetwas damit zu bewirken. Die Strömung war so stark, dass das kleine Sandkorn einfach mitgerissen wurde und es unmöglich war, dagegen auch nur in kleinster Weise anzukämpfen. Es schnappte gierig nach Luft und dachte: „Es ist aus! Ich werde hier und jetzt sterben müssen.“ Kaum hatte es diesen Gedanken zu Ende gedacht, erschien ein grelles Licht am Ende des Tunnels. „Oh nein, das hier ist mein Tod!“, war der letzte Gedanke des kleinen Sandkornes und in diesem Moment wurde das Licht immer größer. Das kleine Sandkorn schoss aus dem Licht heraus und fiel im freien Fall und hohen Bogen in ein riesiges Wasserbecken hinein. Kaum hatte sich das kleine Sandkorn etwas gefangen, blickte es sich um und sah ein einziges, tiefes und weites Blau. „Ufff, gerade noch die Kurve gekratzt! Tot bin ich zumindest nicht – ich muss im Meer gelandet sein!“, dachte das kleine Sandkorn und ließ sich erstmals erleichtert dahintreiben. Sonnenstrahlen funkelten von oben ins Wasser, und die immer noch schmerzenden Gliedmaßen konnten sich nun endlich etwas erholen. Doch nach einiger Zeit, merkte das kleine Sandkorn, dass irgendetwas hier nicht stimmte. Es wurde merkwürdigerweise immer dunkler rundherum. „Vielleicht wird es Nacht?“, überlegte das kleine Sandkorn. Doch noch nie zuvor hat es erlebt, dass die Nacht so schnell hereinbrach. Prüfend um sich blickend kam dem kleinen Sandkorn die Erkenntnis: „Oh Gott – ich sinke! Ich bewege mich immer weiter in die Tiefe – dem Abgrund entgegen! Wenn ich da erstmal unten angekommen bin, komme ich bestimmt nie im Leben wieder hoch!“ Traurigkeit stieg dem kleinen Sandkorn in die Augen und eine bleierne Schwere machte sich im gesamten Körper breit. Somit sank und sank das kleine Sandkorn nur noch schneller in den tiefschwarzen Abgrund, bis es schlussendlich am Boden angekommen war. Eingeschlossen in der Dunkelheit gab es sich seinen kreisenden Gedanken hin: „Wäre doch dieser Sturm nicht gewesen, dann könnte ich jetzt immer noch glücklich auf dem Gipfel sitzen und mein Leben genießen. Damit hat doch alles angefangen! Dieser Sturm hat mein ganzes Leben ruiniert. Ich war schon ganz oben und jetzt bin ich hier ganz unten gelandet. Mein Leben ist – zu Endeeee!“, heulte das kleinen Sandkorn und dicke Tränen liefen ihm dabei über die Backen. „Ich bin hier ganz allein und werde nie wieder die Sonne sehen können. Es ist so unendlich ungerecht!“ Das ganze Leben zog an dem kleinen Sandkorn vorbei und immer wieder fing es dabei heftig zu schluchzen und zu wimmern an, bis es kaum noch Luft bekam und am Ende völlig erschöpft und todmüde einschlief. Mit einem plötzlichen Ruck wurde das kleine Sandkorn aus dem tiefen Schlaf gerissen. Um sich spähend, konnte es aber nichts in der Dunkelheit erkennen. „Merkwürdig“, überlegte das kleine Sandkorn, „Was ist da los? Irgendetwas ist anders. Ich fühle mich so – fett?!“ Wie aus dem Nichts kam sogleich der nächste Ruck und das kleine Sandkorn wurde mit einem Schlag gegen etwas Hartes geschleudert. „Kracks“, machte es und ein greller Streifen durchschnitt die Dunkelheit. Im gleichen Rhythmus kam bald darauf der nächste starke Ruck, welcher das kleine Sandkorn nun unmittelbar in den gleißend hellen Spalt und durch diesen hindurch katapultierte. „Pflup!“, machte es. Geblendet von der durchdringenden Helligkeit konnte das kleine Sandkorn zunächst gar nichts erkennen. „Vielleicht bin ich im Himmel angekommen?“, war der erste Gedanke dem das kleine Sandkorn in den Sinn kam. Etwas warmes weiches spürte es unter sich und sanfte Engelsstimmen machten sich nach und nach bemerkbar: „Wow, so was schens hab i ja echt noch nie gesehn“, sagte eine kindliche Stimme, „was meinst du, darf man des anfassn?“„I waß ned, traust di eh ned!“, antwortete eine andere süße Engelsstimme. „I stups des jetzt einfach au – mal guckn, was dann passiert!“, kam wieder von der ersten Stimme zurück. Das kleine Sandkorn spürte etwas Kitzeliges am Bauch und versuchte nun mit zusammengekniffenen Augen zu erkennen, was hier vor sich ging. Langsam gewöhnten sich die kleinen Augen an das strahlende Licht, und ein wunderschöner langer weißer Sandstrand war zu sehen mit Abermillionen kleine Sandkörnern, welche genüsslich in der Sonne badeten. Das kleine Sandkorn konnte seinen Augen kaum trauen. „Kann das wirklich, wirklich wahr sein?“, dachte es ungläubig und senkte langsam den Blick, um zu sehen wo das Kitzeln und die Stimmen herkamen. „Hüfeee, es bewegt si – schnö weg von do!“, schrie eine der beiden Stimmen und das kleine Sandkorn sah noch, wie zwei winzige Sandkörner sich auf und davon machten. „Wartet doch“, rief das kleine Sandkorn den beiden hinterher, „ich bin doch auch ein Sandkorn – genau wie ihr! Vor mir müsst ihr keine Angst haben!“ Die winzigen Sandkörner machten abrupt halt und sahen mit prüfenden Blick das kleine Sandkorn an. „He? Du bist doch ka Sandkorn – du bist a Perle! Schau di do moi au!“ sagte eines der beiden Winzlinge frech und kicherte dabei in sich hinein. Nun blicke das kleine Sandkorn erstmals an sich hinab und sah sich in einem wunderschönen, in allen Farben schimmernden dicken Mantel gehüllt. Alle Falten, Mulden und Dellen waren wie weggebügelt. Eine regelrechte Erscheinung! Strahlend, glänzend schön, wie man sich die allerschönste Perle nur erträumen konnte. „Wie ist denn das möglich?“, fragte sich das kleine Sandkorn und konnte seine Wandlung kaum begreifen. „Ihr müsst mir glauben“, sagte das kleine Sandkorn zu den Winzlingen, „auch ich war einmal ein Sandkorn.“ „Viele, gefährliche Abenteuer musste ich auf meinem Weg hier her bestehen und meine Reise ist vermutlich noch nicht zu Ende“, sagte das kleine Sandkorn sichtlich stolz. „Ich habe schon vieles in meinem Leben gesehen und ebenso vieles habe ich noch nicht einmal ansatzweise erfahren. Da draußen wartet noch ganz viel auf mich! Aber bevor ich weiterreise, würde ich euch gerne eine Geschichte erzählen. Wollt ihr sie hören?“, fragte das kleine Sandkorn die Winzlinge. Diese sprangen vor Begeisterung auf und ab und setzten sich mit gespitzten Ohren vor das kleine Sandkorn. „Es war einmal ein kleines Sandkorn, das ganz oben auf einem mächtigen Gipfel wohnte.“, begann es die Geschichte. Die Winzlinge blickten mit großen Augen gespannt auf die kleine Perle und lauschten neugierig, um der Geschichte zu folgen.

Ich wünsche einen guten Start ins neue Jahr 2021!

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